Theater ist so alt wie die Menschheit. Die Welt braucht Theater – heute vielleicht mehr denn je, denn es ist fast das letzte Medium, das noch frei von rein kommerziellen Aspekten seinem Kulturauftrag nachkommen kann. Altes darf gepflegt, Neues darf gewagt werden, die jeweiligen Werke, die inszeniert werden, dürfen und müssen nach den Bedeutungen für den Menschen von heute befragt werden. Theater bleibt ein gesellschaftlicher Ort der Unterhaltung und der Reflexion, des Vergnügens und der Besinnung, der Verwandlung und Entlarvung. Es ist und wird hoffentlich noch lange Zeit jener Ort sein, von dem Schiller sagte, dort werde der Mensch sich selbst zurückgegeben.
Es ist die fünfte und letzte Spielzeit meiner Intendanz, die ich Ihnen vorstellen möchte. Im 101. Jahr des Stadttheaters Klagenfurts erwartet Sie ein anspruchsvolles, breit gefächertes und künstlerisch profiliertes Programm. Ein Spielplan, der Sie ebenso ansprechen wie fordern soll und der sowohl Ihre als auch unsere Wahrnehmung schärfen wird.
Gesellschaftliche Krisen und existenzielle Verunsicherungen sind immer ein guter Nährboden für den Rechtsruck in der Politik. Im krisengeschüttelten Europa wird der Druck von Rechts immer stärker, umso mehr muss das Theater Themen aufnehmen, die Machtstrukturen kritisch durchleuchten, die den Mikrokosmos der Emotionen erforschen und die Ursachen der Konflikte im Kleinen wie im Großen mit seinen vielfältigen und phantasiereichen Mitteln ergründen.
Ich durfte zusammen mit meinen wunderbaren MitarbeiterInnen und KünstlerInnen fünf Jahre lang Ihr Wegbegleiter an Ihrem Theater sein. Seien Sie herzlich bedankt für Ihre Neugier, Ihre Treue, Ihren Widerstand, Ihre Offenheit und vor allem für Ihren Besuch. Ihre Reaktionen, wie immer sie auch in meiner letzten Spielzeit ausfallen mögen, machen das Haus erst lebendig: Ihr Applaus ermutigt uns, Ihre konstruktive Kritik motiviert uns, Ihr Interesse beflügelt uns.
Wie der große Theatermacher Max Reinhardt glaube auch ich an die Unsterblichkeit des Theaters, an die Macht der Phantasie, der Sprache und der Musik…
Herzlichst
Ihr Josef E. Köpplinger |