Heute, Dienstag, 7. September 2010   spielfrei 

 So., 12. Sep. 14.00 Uhr: Theaterfest
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 Musical-Thriller   Gesangstexte und Musik von Stephen Sondheim   Buch von Hugh Wheeler
  SWEENEY TODD Der Teufelsbarbier aus der Fleet Street 
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 Pressestimmen
 
 KRONE
 Wer panscht schon Katzen in den Teig?
 KLEINE ZEITUNG
 Lauter schaurige Pastötchen
 DerSTANDARD
 Leberwurst statt Pastete
 Wiener Zeitung
 In Klagenfurt wird jetzt Menschenfleisch faschiert

Fotos © 2009 Stadttheater Klagenfurt / H.Bauer















 Irina Lino, Krone

Schnittige Musical-Thriller-Premiere "Sweeney Todd"
Wer panscht schon Katzen in den Teig?
Düster, Unheil verkündend und dissonant hängt die Orgelstimme über dem nebelverhangenen Grauen der Londoner Fleet Street. Dann zerreißt ein ohrenbetäubender Pfiff die Spannung und Sweeney Todd betritt die Stadttheater-Bühne. Und sorgt am Donnerstag zur Premiere dafür, dass der Teufelsbarbier mit dem mörderischen Hang zu durchschnittenen Kehlen, auch entsprechend "schnittig" unterwegs ist.

Da fließt und spritzt das Theaterblut in Strömen, und die Leichen flitzen im Affentempo direkt in Mrs. Lovetts Fleischwolf. Ja, ja, teuflische Zeiten verlangen nach teuflischen Maßnahmen und der rachsüchtige Barbier und die findige Pasteten-Bäckerin sind wahrlich ein diabolisches Duo. Wer panscht schon Katzen in den Teig, wenn er sich mit Prälaten, Studenten und Künstlern den Bauch vollschlagen kann?

Noch dazu, wenn hinter dem heiteren Morden der eherne Gedanke steht, die geschändete Ehefrau zu rächen? Niemand! Denn sonst würde man sich an Stephen Sondheims bitterbösem Musical-Thriller wohl die Zähne ausbeißen. Diese Gefahr besteht in der Inszenierung von Josef Ernst Köpplinger nicht. Sofern man den schwarzen Humor in bleicher Kostümierung ernst nimmt und sich in die schaurige Traurigkeit der Handlung fallen lässt, deren skurriler Witz sich in Klagenfurt frei entfalten darf. Frei von (spielerischem) Makel und fast schon kitschig perfekt ist das Ensemble in Rainer Sinells ausgeklügelter Bühnen-Industrie-Tristesse. Allen voran Erwin Windegger, der als scharfer Friseur mit beweglichem Bariton sowohl mit dem Rasiermesser eine feine Klinge führt, als auch Sweeney Todd jene "ganz normale" Mordgier schneidert, die seiner tiefschwarzen Seele perfekt passt.

Pasteten-Bäckerin Dagmar Hellberg besticht vom ersten, glasklaren Ton bis zum letzten, kannibalistischen Appetithappen als großartige Komödiantin, die den Backstuben-Horror mit "gesundem" Menschenverstand würzt. Stefan Bischoff gefällt als verliebter Matrose mit zartem Schmelz, Nadine Zeintl als zwitschernde Johanna mit viel Tremolo und wenig Höhe, Norbert Lamla als testosterongeplagter Bösewicht Turpin.

Eine Klasse für sich als Randfigur ist "Bettlerin" Nazide Aylin, deren bestechende solistische Qualitäten aus penetranter Aufdringlichkeit und erbarmungswürdiger Hellsicht leuchten. Und auch wenn der Teufelsbarbier zur gruselig-schönen Klangkulisse des Kärntner Sinfonieorchesters unter John Owen Edwards über die eigene Klinge springt in der Gunst des Premierenpublikums bleibt ihm dieses grausame Schicksal erspart.

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 Uschi Loigge, Kleine Zeitung

Lauter schaurige Pastötchen
Schräge Blutoper, flott serviert: Im Stadttheater Klagenfurt rasiert "Sweeney Todd" von Stephen Sondheim. Und zwar in jeder Hinsicht rückstandsfrei.

Das ist ein Prälat. Der schmeckt eher fad. - Das liegt am Zölibat. Wenn Sweeney Todd und Mrs. Lovett Pasteten verkosten, dann breitet sich eine makabre Ironie aus, von der man an diesem Abend gerne mehr gehabt hätte. Dann würde einem Sondheims schräge Blutoper wohl schwerer im Magen liegen, der eine oder andere würde auf einen Burger verzichten die Anschaffung eines Fleischwolfes verschieben und der Frisörinnung raten, eine "Sweeney Todd"-Aufführung aufzukaufen.

Was geboten wird ist eine musikalische Horrorkomödie, die den tödlichen Ernst mit der flotten Entsorgung der anfallenden Mordopfer (vom Trickstuhl durch die Falltür in den Ofen) konterkariert. Diesen Ablauf hat Josef Ernst Köpplinger zweifellos intus. Schließlich hat er das Musical vom Teufelsbarbier aus der Fleet Street bereits in Regensburg (1994), in Wien und Bruck an der Leitha (2000), sowie in Graz (2003) mit Erfolg inszeniert.

Auch in Klagenfurt liefert der Intendant eine in sich stimmige, sehr dynamische Produktion mit einem exzellenten Ensemble ab, dem - als Vorahnung auf das Kommende - großteils schon bei der Ankündigung der "Mär von Sweeney Todd" die Haare zu Berge stehen.

Allen voran überzeugt Dagmar Hellberg als Pastetenbäckerin, die auf den ersten Blick bieder und nicht ganz hell auf der Platte scheint, sich aber zur abgefeimten Managerin des Grauens auswächst. Mit farbenprächtiger Stimme versucht sie Erwin Windegger einzukochen, dessen reich schattierter Sweeney Todd in Hochform ist, wenn er zum Liebeslied an seine Tochter ("Johanna") der Kundschaft bei der Rasur die Gurgel aufschneidet.

Halsabschneider

Gleichwohl sitzen die wahren Halsabschneider anderswo: Richter Turpin (Norbert Lamla), der einst Sweeney Todds Frau vergewaltigt und ihn in die Verbannung geschickt hat, oder auch der Büttel Bamford (Previn Moore). Die Gesellschaftskritik, für die Sondheim im Orchestergraben Orgel, Pfeifen und Bläser antreten lässt, bleibt auf der Bühne allerdings hinter die Moritat von Schuld und Rache zurück.

Ein nettes Liebespaar sind Nadine Zeintl (Johanna) und Stefan Bischof als Matrose Anthony Hope. Jesper Tyden ist der naive Gehilfe Tobias, der am Ende das Messer in der Hand hält.

Aufhorchen lässt das Kärntner Sinfonieorchester unter John Owen Edwards: Da steigen beunruhigende Klangbilder, immer wieder gebrochen, auslaufend, vibrierend, auch schrill zugespitzt auf. Die Bläser sind in Bestform, eine Entschädigung dafür, dass Stephen Sondheim sich jedem Ohrwurm verweigert und eher die Illustration der abartigen Vorgänge betreibt. Dementsprechend bleich sind alle Gelichter in der marod möblierten Fleet Street (Bühne und Kostüme: Rainer Sinell).

Kurzer und kräftiger Applaus des Publikums, das dem mörderischen Treiben eher gelassen beiwohnte.

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 Bernhard Bayer, DerStandard

Leberwurst statt Pastete
Sondheims "Sweeney Todd"

Der Teufelsbarbier aus der Fleet Street, so der Untertitel, wird unter Josef E. Köpplingers Regie den an ihn gestellten "Ansprüchen" voll und ganz gerecht. Von unstillbarer Rachsucht getrieben, bringt er einen nach dem anderen zur Strecke, um letztlich den Urheber seines Schicksals, Richter Turpin, über die Klinge springen zu lassen. Überzeugend vermittelt Erwin Windegger den von Verzweiflung getriebenen Sweeney Todd alias Benjamin Barker. Kongenial steht ihm Dagmar Hellberg als mitreißend komische Pastetenproduzentin Mrs. Lovett zur Seite, die ihre Köstlichkeiten mit kommerziellem Erfolg aus dem Fleisch der Opfer fabriziert.

Diesen unfreiwilligen Kannibalismus garnierte Stephen Sondheim 1979 mit Zutaten aus unterschiedlichen Töpfen: Einiges an spätromantischer Filmmusik, plakative Leitmotive, häufig wiederkehrende Zitate des mittelalterlichen "Dies irae" et cetera.

Im Laufe des Geschehens geht dem Ganzen dann allmählich die Luft aus. Die Inszenierung lebt von schnell wechselnden Bildern, die an Akteure wie Publikum hohe Anforderungen stellen. John Owen Edwards führt das Kärntner Symphonieorchester souverän durch die schwülstige Partitur, Chor und Statisterie runden eine gediegene Ensembleleistung ab.

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 Oskar Tonkli, Wiener Zeitung

In Klagenfurt wird jetzt Menschenfleisch faschiert

Sweeney Todd, der verlässliche Lieferant von Menschenfleisch für die Pastetenbäckerin der Londoner Fleet Street, verwandelt das Stadttheater Klagenfurt zu einem skurril morbidem Schlachthaus in Stephen Sondheims 1979 in New York uraufgeführtem Musical-Thriller und in Josef E. Köpplingers genialer Regie.

Der Komponist und Autor des Teufelsbarbiers versteht sein Werk als "Broadway-Oper", bleibt allerdings bei diesem Unterfangen ziemlich an der Oberfläche mit einem Tongefüge, das manchmal an Kurt Weill erinnert, doch nicht ansatzweise an dessen einzigartigen Ausdrucksstil heranzukommen vermag.

Sehenswerte Pseudohinterhofromantik liefert der Ausstatter Rainer Sinell. Eine sujetgerechte Optik für das Leben und Sterben der Massen demoralisierter Ausgestoßener in einem Londoner Vorstadtbezirk des 19. Jahrhunderts. Und genau dort findet ein sozialkritischer Thriller Marke "Echt Köpplinger" statt. Wie er den Chor und die Statisterie in die Bilder hineinstellt, das gesamte darstellende Personal individualisiert, muss man ihm erst einmal nachmachen.

Ein Meer von Blut

Rasanz und Präzision prägen den Handlungsablauf. Und nicht nur dann, wenn der vom Vergeltungswahn besessene Barbier seiner Pastetenbäckerin gleichsam am Fließband menschliches Frischfleisch zur Verarbeitung liefert. Statt "Wiener Blut" roter Londoner Saft. Der kommt schlussendlich sogar vom Richter, der einst Todds Frau vergewaltigte. Ein Faschiervorgang, der an Realistik kaum zu überbieten ist.

Ein Glücksfall, sicher nicht für die von ihr verkochten Leichen, dafür aber fürs Publikum ist Dagmar Hellberg. Eindrucksvoller, vollsaftiger kann man Mrs. Lovett kaum darstellen. Erwin Windeggers Titelheld prägt nicht minder den nur von der Musik verwässerten tragikomischen Handlungsablauf. Ein Menschen-fleischhauer, dessen Untaten zelebriert werden, der aber sogar Sympathie für sein mörderisches Tun verbuchen kann. Nadine Zeintl als Tochter diese Teufelsbarbiers bleibt diesmal etwas blässlich, auch Anthony Hopes Matrose übt sich in Stimme und Spiel eher in Zurückhaltung.

John Owen Edwards und das hauseigene Orchester schaffen locker Stephen Sondheims tönende Unterlage für diesen Musicalthriller. Ein Sonderlob für alle weiteren Mitwirkenden. Selbst die im Publikum angesiedelten Berufsjubler schienen bestens einstudiert...

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