Heute, Dienstag, 7. September 2010   spielfrei 

 So., 12. Sep. 14.00 Uhr: Theaterfest
STADT THEATER KLAGENFURT  - Klick = Home
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 Schauspiel mit Musik   von Bernd Liepold-Mosser   Nach der Erzählung von Franz Kafka   Musik von Naked Lunch 
  AMERIKA
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Regie  Bernd
 Liepold-Mosser
Musikalische Leitung  Oliver Welter
Choreographie
und Regiemitarbeit
 
 Ricarda Regina
 Ludigkeit
Bühne  Rainer Sinell
Kostüme  Gera Graf
Dramaturgie  Sylvia Brandl

Dagmar Hellberg, Katharina Schmölzer, Nadine Zeintl I Daniel Doujenis, Arthur Klemt, Kai Möller, Jens Schnarre, Robert Stadlober, Eduard Wildner, Erwin Windegger
 
und Naked Lunch
 
Mitglieder des Chores
des Stadttheaters Klagenfurt

(Einstudierung Günter Wallner)
 
Amerika ist seit der Neuzeit die Chiffre für eine real existierende Utopie. Nicht erst mit den Mythen von Hollywood, Mickey Mouse und Elvis und auch schon lange vor den Ungewissheiten und Tragödien des erzwungenen Exils hat sich die Neue Welt als Sehnsuchtsmoment in das europäische Unbewusste eingeschrieben: ein weiter, sich dehnender Raum dient als Projektionsfläche, die bevölkert werden will mit den Ausgeburten der Phantasie all jener, die nie in ihrem Leben dort gewesen sind.

Kafka, der österreichische Autor aus Prag, kannte das Land nur vom Hörensagen, ebenso wie der Schöpfer von Winnetou und Old Shatterhand, oder, um ein aktuelles Beispiel aus dem europäischen Kino zu nehmen, Lars von Trier, dessen Be- schäftigung mit den Brüchigkeiten des amerikanischen Mythos genau darauf baut, eben niemals über den Atlantik gekommen zu sein. Amerika ist ein imaginärer Fluchtpunkt, ungeachtet der Barrieren aus Kontrollen, Bürokratie und Paranoia, die das reale Land um sich herum errichtet hat, mit und ohne der großen Leerstelle am Ground Zero und den Implosionen der Aktienmärkte.

Zu Kafkas Zeiten war die Einreise zwar strapaziöser als heute, aber bestimmt auch einfacher. Im vorliegenden Fall des 17jährigen Protagonisten Karl Rossmann geschieht die Überfahrt allerdings nicht ganz aus freien Stücken, wird er doch von seinen Eltern nach Amerika geschickt, weil er die Haushälterin geschwängert hat. Die Geschichte setzt mit Karls Ankunft im Hafen von New York ein, und gleich von der ersten Szene an verstrickt sich der übermäßig selbstbewusste, zu grotesker Verstiegenheit neigende junge Held in Schwierigkeiten. Es wäre nicht Kafka, gäbe es für diese Verwicklungen eine Erklärung. Ganz im Gegenteil vollziehen sich die Ereignisse nach einem scheinbar verborgenen Plan, der den Wunsch nach Verstehen gezielt ins Leere laufen lässt. Wann immer Karl neue Bekanntschaft macht und die Hoffnung auf ein vernünftiges Weiterkommen keimt, sinkt er tiefer ins Schlamassel.

Was Kafka ausbreitet ist eine Art Road-Movie, die an den traurigen Tramp der Stummfilmzeit ebenso gemahnt wie an die absurden Anti-Helden Becketts. Die von slapstickhaften Elementen geprägten Erlebnisse Karls camouflieren den Gestus des Erziehungsromans und der großen amerikanischen Erzählungen. Der Erfolg ist nur vermeintlich, das wiederholte Scheitern unausweichlich, und man fragt sich, was dieser Karl auf seiner Reise gelernt haben könnte. Dennoch zieht sich durch die Geschichte ein lichter Ton, der weite Westen lässt die Hoffnung auf Entrinnen fortdauern. Man kommt nicht umhin, sich über Karls groteske Laufbahn und die ihm begegnenden Figuren zu amüsieren.
Bernd Liepold-Mosser
Franz Kafka
Verstecke sind unzählige, Rettung nur eine, aber Möglichkeiten der Rettung wieder so viele wie Verstecke. Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg, was wir Weg nennen, ist Zögern.
 
Franz Kafka

 
  Einführungsmatinee
  13. März 2011, 11.00 Uhr
  Moderation Sylvia Brandl
  Foyer
 Uraufführung
  24. März 2011, 19.30 Uhr
  Derniere
  26. Mai 2011
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