„Unsere Zeit“ – das waren für Ödön von Horváth die 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts, als faschistisches Gedankengut eine ganze Gesellschaft in Europa durchdrang.

Das Kind dieser Zeit ist in Horváths letztem Roman, der nun in einer Studioproduktion am Stadttheater Klagenfurt in einer Dramatisierung von Ed. Hauswirth aufgeführt wird, ein junger Soldat. Sein Vater wurde im Ersten Weltkrieg verwundet und hält nichts mehr vom Krieg, doch der Sohn tritt nach jahrelanger Arbeitslosigkeit trotzdem freiwillig in die Armee ein. Er sieht sich als Vollstrecker eines höheren Volkswillens und als Kämpfer für das Recht des Stärkeren. Sein Wortschatz ist durchtränkt von den typischen Parolen der faschistischen Diktaturen. Doch nach einer einprägsamen Begegnung mit einem jungen Mädchen, gefolgt von einer Verwundung im Gefecht, beginnt er darüber nachzudenken, ob er nicht an der falschen Front gekämpft hat. Da sein Arm dauerhaft geschädigt bleibt, muss er die Armee verlassen und verliert so jede Zukunftsperspektive.

„Unsere Zeit“ – das ist auch die Gegenwart des Jahres 2017. Obwohl die Unterschiede zur Vorkriegszeit offensichtlich sind, wir in einer funktionierenden Demokratie und einer liberalen Gesellschaft leben, haben die Worte von Horváth eine erschreckende Aktualität. Gestanzte Parolen in der politischen Debatte, Misstrauen gegen Fremde, Überlegenheitsgefühle einzelner Nationen breiten sich aus. So könnten viele der Sätze, die der junge Soldat spricht, problemlos auch in „unserer Zeit“ fallen.

Theater im Klassenzimmer

Dauer ca. 1 Stunde
Kosten € 200,– (pro Klasse, max. 25-30 Personen)

Buchungen
Christina Tischler, BA    
Tel. 0463 / 55 2 66 – 227 (vormitags)  
c.tischler@stadttheater-klagenfurt.at