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Pressestimmen
Erfolgreiche Premiere nach 36 Jahren: Jubel für Gottfried von Einems Kirchenoper „Jesu Hochzeit“ beim Carinthischen Sommer in Ossiach.
[…] Gespielt wird eindringlich, vor, zwischen und hinter dem Publikum, das im Stiftshof auf drei Seiten um das Kreuz sitzt. Auch der ausgezeichnet singende Chor des Stadttheaters (Günter Wallner) Volk und Jünger Jesu darstellend, trägt viel zur packenden Atmosphäre bei. […] Boris Grappe [singt] einen sehr intensiven Jesus. Ursula Hesse von den Steinen als Tödin, die später zu Judas mutiert, verströmt viel ausdrucksstarke Dämonie. […] Annette Schönmüller ist eine starke Magdalena […], Julia Koci ein klarer Lazarus, Marcel Beekman singt den Engel mit hellem Tenor. […] besonders die vielen, extrem schwierigen Phrasen werden vom Kärntner Sinfonieorchester (KSO) unter dem souveränen, exakt schlagenden Jonathan Stockhammer, der zu Beginn und am Ende auch zur Elektrogitarre greift, differenziert und packend musiziert. Fazit: Stehende Ovationen des Publikums […].
Wo sich Liebe und Tod umarmen
[…] Aufwühlend, plastisch und narrative erhob sich im menschengesäumten Ossiacher Stiftshof unter funkelndem Sternenzelt mit Gottfried von Einems Mysterienspiel ein zutiefst beseelter „Klangkörper“, der mit dem prächtig disponierten KSO unter Jonathan Stockhammer farbenfroh und feinnervig zwischen Tradition und Avantgarde, Ton und Melodie von Gottes Sohn erzählte, der auszog, die Menschheit zu retten. […] Mit Bariton Boris Grappe setzt sich ein überzeugender, verletzlich-zweifelnder Jesus im hellen Leinenanzug an den langen Tisch-Balken von Anne Marie Legenstein (Ausstattung, Bühne). Josef (Dan Paul Dumitrescu) und Maria (Fredrika Brillembourg) sind ihm moderne Eltern, die Fürsorge, Wiener Schmäh und Schmerz mit warmem Mezzo und vollmundigem Bass transportieren. Julia Koci ist ein androgyner Lazarus, der traumsicher zwischen Leben und Tod wandelt, marcel Beekman glockenheller Engel, Annette Schönmüller eine vielschichtige Magdalena im erbitterten Kampf mit ihren Dämonen. Als raubtierhafte Tödin zwischen flammendem Hass und hungrigem Begehren brilliert Ursula Hesse von den Steinen im kleinen Schwarzen mit blutrotem Mund, der Chor des Klagenfurter Stadttheaters erweist sich unter Günter Wallner als handlungstragende Sangeswucht. […]
„Jesu Wiedervermählung“ gelang!
[…] Jedenfalls ist sie [die Oper], das wissen wir seit Samstag dank der souveränen musikalischen Einstudierung durch Jonathan Stockhammer, ein lebendiger Beweis für die Möglichkeit, mit den Mitteln von Dur und Moll noch knappe, klare, aber doch im Wortsinn unerhörte Aussagen zu machen. Knallharte Aussagen sogar, die sich in den besten Momenten des Werks, in der Erweckung des Lazarus (mit der intensiven Julia Koci) oder dem vom Kärntner Sinfonieorchester und dem Chor des Klagenfurter Stadttheaters messerscharf artikulierten Kreuzweg, geradezu atemberaubend verdichten. […] weil Regisseurin Nicola Raab die holzschnittartige Strenge von Text und Musik szenisch umzusetzen weiß, wird aus Knappheit und vollkommener Kontrolle starkes Theater, am stärksten, wenn sich Tisch und Bänke (Bühne: Anne Marie Legenstein) in ein Riesenkreuz verwandeln, das Jeus (der mit ausdrucksvoll-weichem Bariton singende Boris Grappe) an roten Riesengurten schleppen soll – der klug als Spielfläche ausgelotete Stiftshof wird mir nichts, dir nichts zu Golgatha. Der Chor bekräftigt es mit wenigen, aber markerschütternden Rufen. […]
Carinthischer Sommer – „Jesu Hochzeit“ ohne Einspruch
[…] Die stilisierte Tafel inmitten eines Stahlträgerkubus bindet das Publikum, das vom Ensemble von allen Seiten körperlich wie akustisch umgarnt wird, ins Geschehen ein und sorgt für ein sinnlich intensives Erlebnis. […] Herzblut verströmt demnach auch das Ensemble, das aufgrund der nach beinahe allen Seiten offenen Bühne stimmlich fast bis an seine Grenzen geht. Boris Grappe lässt die Titelfigur eineinhalb Stunden charismatisch lieben und leiden, Ursula Hesse von den Steinen gibt eine erotisch aufgeladene Tödin, die aber nie den Bogen überspannt.Stimmgewaltig und herzlich legte Dan Paul Dumitrescu den Josef an, lyrisch und feinfühlig Fredrika Brillembourg die Maria. […] Laut und exakt in der verschachtelten Partitur brillierte der Chor des Stadttheaters Klagenfurt in dieser Koproduktion mit dem Haus. […] Das Kärntner Sinfonieorchester baute dabei seine steigende Qualität als solides Landesorchester weiter aus, Jonathan Stockhammer bediente nicht nur Dirigentenstab, sondern zu Beginn wie am Ende auch die E-Gitarre als dramaturgisches Accessoire. […]