„Seid ihr denn sicher, dass wir wach sind?“ fragt Lysander am Ende einer ereignisreichen Nacht. Eine Antwort darauf kann ihm niemand geben. Einem glücklichen Ende für die vier Liebenden steht nun dennoch nichts mehr im Weg: Hermia und Lysander haben zueinander gefunden und Helena und Demetrius sind inzwischen ein Paar geworden – dank einer Zauberei in der letzten Nacht. Puck ist in Oberons Auftrag mit einer Zauberblume unterwegs und schon bald werden alle Beziehungen in Frage gestellt.

Benjamin Britten schuf 1960 seine Opernadaption von William Shakespeares Ein Sommernachtstraum. Durch seine differenzierte und farbenreiche Instrumentierung gelang es ihm, die verschiedenen Sphären des Stückes – Handwerker, Liebende und Feen – treffend zu charakterisieren. Besonders die Zauberwelt der Feen besticht durch ihre musikalische Transparenz, die Verwendung von Vibraphon und Celesta, sowie den Rückgriff auf barocke musikalische Traditionen.

Chefdirigent Alexander Soddy übernimmt die musikalische Leitung, Regie führt Immo Karaman, der in Klagenfurt zuletzt Die Liebe zu den drei Orangen auf die Bühne brachte. Die Rolle des Oberon übernimmt Countertenor Yosemeh Adjei, Elsa Benoit ist als Tytania zusehen und Laura Tatulescu als Helena. Mit ihnen auf der Bühne stehen die jungen Choristen der Singschule Carinthia.

Dauer ca. 3 Stunden (inkl. einer Pause von 20 Minuten)

FOTOS VON DER PREMIEREN-FEIER auf mein-klagenfurt.at

Der Elfenkönig im Interview

ADJEI_Yosemeh

Yosemeh Adjei steht ab 29. Oktober als Elfenkönig „Oberon“ in der Oper A Midsummer Night´s Dream auf der Bühne des Stadttheaters – drei Fragen an den Countertenor:

– Sie arbeiten nun nach Death in Venice zum zweiten Mal mit Immo Karaman zusammen – was ist das Besondere an dieser Inszenierung von A Midsummer Night´s Dream?

Immo Karaman und sein Choreograph Fabian Posca haben ein unglaubliches Auge für die einzelnen Elemente einer Geschichte. Er weiß, was eine Geschichte „rund“ macht – am Ende ist alles wie aus einem Guss. Für mich als Sänger ist alles klar und es fällt leicht, sich einzufügen. Wir haben quasi eine „Verbundenheit im Geiste“.

– Als Countertenor sind Sie vor allem auf die Musik des Barock spezialisiert – was bedeutet es für Sie als Countertenor in einer Oper des 20. Jahrhunderts aufzutreten?

Es ist wahnsinnig schön, abwechslungsreiche Arbeit zu machen. Der Kontrapunkt, den Britten zur Barockmusik setzt, ist ein Segen – Britten ist sozusagen eine „Frischzellenkur“ für mich. Ich singe zwar auch moderne Musik, aber Belcanto zu singen ist etwas Wunderbares. Benjamin Britten hat die Partie des Oberon mit Alfred Deller, einem großartigen Countertenor seiner Zeit, erarbeitet. Oberon ist eine „Zucker-Rolle“, wirklich sehr angenehm zu singen. Die nicht reale Welt der Elfen ist als Gegenpol zur realen Welt natürlich auch im barocken Gestus verhaftet.

– Wie werden Sie die Rolle des Elfenkönigs „Oberon“ gestalten?

Der Klagenfurter Oberon hat viele Ambivalenzen, mit denen er sich auseinandersetzen muss. Es gibt am Schluss nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Man muss sich vorstellen, dass Oberon und Tytania schon ein paar hundert Jahre alt sind und dementsprechend lange verheiratet. Es hat sich wohl jeder Streit schon x-Mal wiederholt, man möchte da rauskommen – spielt aber auch vielleicht damit. Verschiedene Situationen fordern Oberon heraus, sich so zu verhalten, wie er es eigentlich gar nicht will. Diesen Widerspruch bedauert er. Am Ende findet das Elfenpaar nicht im Sinne einer romantischen Liebe zueinander, sondern es wird sich seiner Liebe und Verbundenheit auf rationaler Ebene bewusst.

 

Szenenfotos (c) Karlheinz Fessl