Die Liebe ist verschwunden und jeglicher Antrieb ist in ihm erloschen. Sein Landgut hat er heruntergewirtschaftet. Iwanow ist nur noch das Wrack des kraftvollen Mannes, der er einmal gewesen ist. Er ist mit Anna, einer Jüdin, verheiratet. Für ihn  hat sie Eltern und Religion hinter sich gelassen. Sie weiß nicht, was er und der sie verehrende Arzt wissen: Dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Sie hat die Schwindsucht. Abends treibt es Iwanow, genervt von seiner Familie, aufs Nachbargut zu den reichen Lebedews, bei denen er so hoch verschuldet ist, dass sie ihn in der Hand haben. Dort ist auch deren junge Tochter, Sascha, die sich in ihn verliebt hat und entschlossen ist, ihn zu retten. Als Anna stirbt, stimmt er einer Hochzeit mit Sascha zu, sagt sie dann aber wieder ab und entzieht sich einmal mehr – endgültig.

Der Name Iwanow bedeutet „Alle Welt“. Und so ist auch die Titelfigur in Tschechows virtuoser Studie gezeichnet: Eine erschöpfte „Allerweltsfigur“, gefangen in einer Welt, die aus den Fugen geraten und deren Ende schon deutlich zu sehen ist. Anton Tschechow war erst Mitte zwanzig, als er 1887 die faszinierende Tragikomödie über die absterbende Gesellschaftsschicht, die Russland vor der Oktoberrevolution beherrscht hat, verfasste. Über mehrere Fassungen fand Tschechow bei diesem
frühen Werk seinen Stil und sein Thema: Die Müdigkeitsgesellschaft im Umbruch. Schon hier begegnen wir all den schwermütigen Seelen aus der russischen Provinz, die in seinen späteren Stücken wie Drei Schwestern oder Die Möwe wiederkehren sollten.