Mit seiner Lady Macbeth von Mzensk schuf Schostakowitsch, eine der schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, eine gleichermaßen mitreißende wie wilde Oper. Bereits in Leskows Novelle wird in ungeschminkten Worten vom mörderischen Treiben Katerina Ismailowas erzählt, die zuerst ihren Schwiegervater und dann – gemeinsam mit ihrem Liebhaber Sergej – ihren Ehemann umbringt, am Ende aber selbst von Sergej fallen gelassen wird. Passend zur Handlung komponiert Schostakowitsch eine Musik, die von Extremen gezeichnet ist: durchsichtiges Kammerspiel steht neben wuchtigen Chören, zerklüftete Partiturabschnitte neben Passagen in strengem Kontrapunkt.

Zwischen Groteske und Tragödie erhält Schostakowitschs Katerina jedoch eine Dimension, die ihr in Leskows Erzählung abgeht. Umgeben von einem schwachen Ehemann, einem rohen Schwiegervater und chauvinistischen Arbeitern fristet sie ein trostloses Leben auf einem Bauernhof in der russischen Provinz. Diese zerstörerische Umgebung macht ihr Handeln verständlich, sodass sie nicht nur als grausame Mörderin erscheint, sondern auch und vor allem als eine nach Selbstverwirklichung  strebende junge Frau.