Krieg ist ein profitables Geschäft – auch für die Marketenderin Anna Fierling, genannt Mutter Courage. Mit dem Planwagen zieht sie kreuz und quer durch ein verwüstetes Europa. Begleitet von ihrer stummen Tochter Kattrin und zunächst auch den  beiden Söhnen Eilif und Schweizerkas, folgt sie den verfeindeten Truppen von einem Kriegsschauplatz zum anderen und macht ihre Geschäfte, wo und mit wem sie nur kann. Getrieben von einem nahezu unzerstörbaren Überlebenswillen hat sie  gelernt, sich an widrigste Umstände anzupassen. „Eine Hyäne der Schlachtfelder“, die sich zu behaupten weiß und die die harten Gesetze des Marktes zu beherrschen glaubt. Aber nach und nach verliert sie alles – am Ende auch ihre Kinder.

Irritiert von der Aufnahme der Courage als Niobe-Tragödie bei der Uraufführung 1941 in Zürich, nahm Brecht einige Korrekturen für die Modell-Inszenierung 1949 in Berlin vor, um den Witz und die rücksichtslose Vitalität der Mutter Courage zu unterstreichen. Brecht und seine Frau Helene Weigel eröffneten mit dieser überarbeiteten, viel schärferen Fassung mit sensationellem Erfolg das von ihnen gegründete Berliner Ensemble. Entstanden ist die von Anspielungen auf den Nationalsozialismus durchwobene Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg 1938/39 im dänischen Exil – nicht zuletzt als Warnung an all jene, die hofften, finanziell vom Zweiten Weltkrieg profitieren zu können. In zwölf exemplarischen Szenen  entrollt die Parabel einen historischen Bilderbogen, um den Menschen nachhaltig vor Augen zu führen, „dass die großen Geschäfte, aus denen der Krieg besteht, nicht von den kleinen Leuten gemacht werden. Dass der Krieg, der eine Fortführung der  Geschäfte mit anderen Mitteln ist, die menschlichen Tugenden tödlich macht, auch für ihre Besitzer. Dass für die Bekämpfung des Krieges kein Opfer zu groß ist.“