Ein zartes Mädchen, das weinend an einem Brunnen im Wald sitzt; ein Ring, der zur Mittagsstunde in einen Brunnen fällt; ein Pferd, das zur selben Zeit seinen Reiter abwirft – Maurice Maeterlincks 1893 uraufgeführtes Fin-de-Siècle-Drama Pelléas et Mélisande konfrontiert den Zuschauer mit symbolträchtigen Bildern, deren Bedeutung sich im Laufe der Handlung erst langsam erschließt. Auch die Sprache des Textes steckt voller Andeutungen und  gewinnt ihre Wirkung aus der Verschwiegenheit.

Zu Maeterlincks Text komponierte Claude Debussy in seiner 1902 uraufgeführten einzigen Oper eine subtile und doch außerordentlich farbenreiche Musik. Jegliches Pathos vermeidend, gibt sie in sensibler Zurückhaltung den Symbolen Raum zur Entfaltung ihrer Kraft. So reden die Figuren der Handlung unablässig aneinander vorbei und kommen nie in einen echten Kontakt. Die Ausnahme bildet lediglich das mitreißende Liebesduett zwischen  Pelléas und Mélisande im vierten Akt, in dem die Gefühle der Liebenden hervorbrechen.