Am 13. März 2026 lesen Martin Schwab, Juergen Maurer und Arnold Mettnitzer das spätmittelalterliche Werk von Johannes von Tepl im Dom zu Klagenfurt – musikalisch begleitet von Saxophonist Edgar Unterkirchner. Arnold Mettnitzer im Interview über einen »pfiffig klugen« Text, der dem unausweichlichen Schicksal des Todes trotzt, und seine Bedeutung in der Fastenzeit. Karten: 0463 54 0 64 / theaterkasse@stadttheater-klagenfurt.at
Johannes von Tepl schrieb Der Ackermann und der Tod um 1400. Das Werk markiert in der Literatur den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Welche – für die damalige Zeit neue – Ideen werden in dem Werk verhandelt?
Arnold Mettnitzer: Nicht was damals neu gewesen sein mag, interessiert mich an diesem Text, sondern wie pfiffig klug und neu er für mich heute wirkt. Das Faszinierende daran ist seine ewig junge Kraft der Empörung. Das Individuum trotzt dem unausweichlichen Schicksal des Todes mit der Messerschärfe einer Sprache, die an den biblischen Hiob und Christine Lavant erinnert und an Serhij Zhadan, den 1974 geborenen, in Charkiw lebenden Dichter, der »an den traurigsten Tagen und in trübsten Zeiten« bittet: »bleib bei mir – Sprache – / Sprache des Zweifels, / Sprache der Freude, / Sprache des Dankes.«
Ehe als Liebesgemeinschaft, der Mensch als selbstbestimmtes Wesen – wo können wir im Heute an diese Themen anknüpfen?
Liebesgemeinschaft – nicht nur in der Ehe – setzt reife, selbstbestimmte Persönlichkeiten voraus. Nur so kann die Liebe vor dem Missverständnis ihrer »Selbstverzweckung« bewahrt werden und ihre uneigennützige Kunst entfalten, Raum zu schaffen, damit der andere der sein kann, der er ist. Gemeinschaft lebt erst dann, wenn keiner auf Kosten anderer lebt und jeder erkennt, wie viel er anderen verdankt. Je tiefer ein Mensch das erleben darf, umso schmerzlicher wird er den Tod eines geliebten Menschen empfinden und sich selbst dadurch in Frage gestellt wissen. Wer bin ich dann noch, wenn der, der mir gesagt hat, dass er mich liebt, nicht mehr da ist?
Die Lesung findet mitten in der Fastenzeit, der Vorbereitung auf das Hochfest Ostern, statt. Welche Gedanken aus dem Werk kann das Publikum in dieser Zeit für sich mitnehmen?
Dieses Werk (am Freitag, dem 13. März 2026) mitten in der Fastenzeit zu erleben und sich dabei an die eigene Endlichkeit erinnern zu lassen, ist wohl ähnlich sinnvoll, wie im Hochsommer eine Vorstellung des Salzburger Jedermann oder jedes 4. Jahr in Metnitz den Totentanz zu besuchen. Weil der Tod immer Saison hat, was ja nicht unbedingt heißt, dass er deshalb auch das letzte Wort haben muss, erscheint es mir aus psychohygienischen Gründen sinnvoll, sich hin und wieder gründlicher damit auseinanderzusetzen und nicht von vornherein so zu tun, als gäbe es ihn gar nicht. Schon Sigmund Freud hat gemeint, wir wüssten alle, dass wir sterben müssen, aber weil bisher immer nur andere gestorben sind, würden sich die Lebenden für unsterblich halten und sich dann auch dementsprechend verhalten.
Sie lesen gemeinsam mit Martin Schwab und Juergen Maurer, Edgar Unterkirchner begleitet den Abend am Saxophon – wie entstand dieses gemeinsame Projekt?
Das Projekt verdankt sich den Festspielen für die Seele im Thermenhotel Ronacher in Bad Kleinkirchheim, die dort seit 2014 (dem 20. Todesjahr meines Lehrers Erwin Ringel) stattfinden. »Der Ackermann« war vor etlichen Jahren zum ersten Mal auch Teil dieses Programms und wurde dort 2025 wieder aufgeführt. Aron Stiehl, der die Aufführung damals miterlebt hat, ist der diesjährige Abend im Klagenfurter Dom zu verdanken.