Maria Stuart
Trauerspiel von Friedrich Schiller
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Pressestimmen
Ein Thriller mit zwei Königinnen
Drei packende Stunden mit „Maria Stuart“: Stephanie Mohr inszenierte Schillers Trauerspiel als spannenden Politkrimi.
Drei Stunden am englischen Hof des späten 16. Jahrhunderts, mit einem Ensemble, das keinen Wunsch offenlässt, eingebettet in die von Kyrre Kvam hinreißend im Klang der Zeit vertonten Gedichte von Maria Stuart und Elisabeth – im Stadttheater Klagenfurt kommt Friedrich Schillers Trauerspiel spannend und brandaktuell daher. (…) Mit unaufgeregter Präzision macht Regisseurin Stephanie Mohr die Zwänge, Abhängigkeiten und die Zerrissenheit jeder einzelnen Figur sichtbar. Als ebenbürtige Königinnen stehen einander Franziska Hackl in der Titelrolle und Isabel Schosnig gegenüber – beide fesseln mit tiefschürfender, glutvoller Darstellung. (…) Die bühnenbeherrschende Holztribüne (Miriam Busch) definiert Handlungsebenen, öffnet emotionale Räume und ist Sinnbild für das brüchige Machtgefüge, in dem jede(r) um seinen Kopf bangen muss. (…) Gespielt wird grandios: Nikolaus Barton als so geschmeidig wie feiger Frauenversteher Robert Dudley, Michael Schönborn als eiskalt kalkulierender Großschatzmeister, Florian Carove als pflichtbewusster, um Anerkennung heischender Hüter der Maria und Benedikt Paulun als sein spionierender Neffe Mortimer. (…) Als parfümierter französischer Gesandter und überforderter Staatssekretär liefert Gregor Kohlhofer zwei echte Talentproben ab. Als einzig aufrechter Charakter bleibt neben Marias Vertrauter (Seraphine Rastl) nur der besonnen argumentierende Talbot (Heiner Stadelmann). Ein großer Schauspielabend, der bei der Premiere geradezu opernhaft bejubelt wurde.
Große Geschichte, gut erzählt
Gut investiert, wer sich eine Karte für „Maria Stuart“ kauft: Zur Stadttheater-Premiere am Donnerstag fesselte das grandiose Ensemble in Stephanie Mohrs Inszenierung der Geschichte um zwei rivalisierende Königinnen, um Macht, um Abhängigkeiten, um bittere Entscheidungen und schrecklich nagende Zweifel.
Eine sanfte Singstimme, ein Klavier, das nicht an den Tasten, sondern an den Saiten gespielt wird, eine mit innerlicher Unruhe und sichtbarem Stolz umher wandelnde Maria Stuart in einem hölzernen Verschlag. Direkt über ihr thront Elisabeth, unterzeichnet stumm und streng Verfügungen, Gesetze, Urteile. Im Hintergrund die einfachen, schwarzen Wände der Stadttheaterbühne mit Kabeln, Technik, Feuerlöschern. Mehr Bühnenbild – samt der einfachen, offenen Umbauten, grandios geplant von Miriam Busch – brauchen die neun Darsteller, auf die Friedrich Schillers Trauerspiel-Besetzung gekürzt wurde, und Musiker Kyrre Kvam, der für diese Inszenierung Gedichte von Maria Stuart und Elisabeth I. vertont hat und wie der Tod als Henker mit Mini-Synthesizer ständig bei den beiden Königinnen ist, nicht. Die Geschichte, die sie erzählen, ist stark genug, und sie alle sind in jeder Minute der drei kurzweiligen Stunden präsent und authentisch. „…ihr Schicksal ist nur, heftige Passionen zu erfahren und zu entzünden“, verlangte Schiller von seiner Maria, und das macht auch Franziska Hackl (…). Eine ebenfalls starke, in Momenten des Hin- und Hergerissenseins zwischen Machterhalt und Gerechtigkeit aber auch schwache, zitternde, schreiende, sich selbst den Tod wünschende Elisabeth I. – Isabel Schosnig – versucht, mit oder trotz der Ratschläge ihrer Berater – Michael Schönborn als herrisch-harter Baron von Burleigh, Nikolaus Barton als in der Liebe und Loyalität flexibler Graf von Leicester, Heiner Stadelmann als herzlicher, väterlicher Graf von Shrewsbury – über die Unterzeichnung des Todesurteils gegen Maria zu entscheiden. Mit Kerkermeister Florian Carove, „Mortimer“ Benedikt Paulun, Gregor Kohlhofer als Staatssekretär und französischem Gesandten sowie Serphine Rastl als Dienerin Hanna ist das in schlichten Kostümen von Nicole von Graevenitz überzeugende kleine Ensemble für die große Geschichte komplett, das zur Premiere Bravo-Rufe und Standing Ovations genießen konnte. (…)
Fesselndes Duell zweier charismatischer Frauen
(…) Macht, Ohnmacht, verdorbene Moral und blutige Regierungsgeschäfte: der Klassiker hat bis heute nichts an Brisanz verloren. Auf der leer geräumten Bühne befindet sich nur ein derbes Holzpodest mit zwei Spielebenen, die die Machtpositionen klar aufzeigen: Oben thront Elisabeth. Darunter ist der angedeutete Kerker von Maria (Bühne: Miriam Busch). In historisch stilisierten Kostümen (Nicole von Graevenitz) werden die letzten drei Tage im Leben der zum Tode verurteilten schottischen Königin nach fast 19-jähriger Gefangenschaft ungemein dicht und fesselnd gezeigt. Die von Friedrich Schiller erfundene Begegnung der beiden Rivalinnen, die sich in realiter nie begegnet sind, wird zum emotionalen Höhepunkt des Trauerspiels. Dies auch deshalb weil zwei großartige, ungemein virtuos und wandlungsfähige Frauen die duellierenden Königinnen mimen: Die exzellente Franziska Hackl in der Titelpartie als selbstbewusste, zu sich selbst findende schottische Königin. Ihre Rivalin ist Isabel Schosnig als zerrissene Königin Elisabeth, die gezwungen ist, ein Leben im Schein zu führen, letztlich von allen verlassen wird. (…)
„Maria Stuart“: Last und Frust der Karrierefrau
Stephanie Mohr inszeniert Schillers Stück am Stadttheater Klagenfurt. Die beiden Heldinnen ziehen es ins Heute (…) Da steht einfach nur mehr eine Karrierefrau, die am liebsten auch noch begehrenswert wäre, einer Begehrenswerten gegenüber, die gern Karriere machen würde. Schosnig und Hackl krönen eine Umsetzung, die textlich mutig nahe am Original bleibt. Ein ungläubig fragendes „Ach?“, ein wie belästigt intoniertes „Gott!“ können genügen, das Machtspiel ins Heute zu holen. (…) Und eine kleine theatralische Kostbarkeit ist Heiner Stadelmanns Talbot. Dieser weise alte Mann, stets um den Ausgleich zwischen Herz und Verstand bemüht, wird besonders erkennbar als jene Stimme, mit der Schiller sich selbst als Mittler zwischen die heillosen Gegensätze seines Stückes zu mengen versucht hat.