Nilufar K. Münzing inszeniert die nächste Musiktheater-Premiere am Stadttheater: In Donizettis Der Liebestrank – L’elisir d’amore (Premiere: 19. März 2026) finden Adina und Nemorino in einem Hotel der 1950er Jahre zueinander. Die Regisseurin im Interview über Standesdünkel, Eitelkeiten und Selbstvertrauen, das schließlich zur wahren Liebe führt…
Donizett spielt in seinem Liebestrank aus 1832 mit Standesdünkel und Eitelkeiten – wo findest du hier Parallelen im Heute?
Nun, zu glauben, dass wir heute in einer völlig klassenlosen Gesellschaft leben, wäre naiv. Wir legen das Setting der Oper aber in die 1950er Jahre in ein italienisches Hotel, in dem alter Adel und neureiche Geschäftsleute ein und ausgehen und doch alle unter der gleichen sommerlichen Hitze stöhnen. Adina ist die Hotelbesitzerin, eine starke selbstbestimmte Frau und geschickte Unternehmerin. Dass ausgerechnet ihr Angestellter Nemorino, ein kleiner Niemand, der perfekte Partner für sie sein könnte, will sie partout nicht wahrhaben. Frauen heiraten bis heute nicht oft »nach unten«, auch wenn ihr Herz ihnen vielleicht etwas anderes raten würde.
Du erzählst die Oper in einem Hotelbetrieb mit Zimmermädchen und Conciergen. Wie kam es zu dieser Idee?
Das Hotel war für uns ein idealer Ort für ein Stück in dem es um »soziale Mobilität« geht, um den Traum, vom sprichwörtlichen Tellerwäscher zum Millionär zu werden und auch noch den Menschen zu erobern, den man sonst nur anzuhimmeln wagte. Und das Hotel ist ein gutes Pendant zum Dorf – quasi ein Dorf auf Zeit: Es stapeln sich die Geschichten und Schicksale, in der Lobby gibt’s Klatsch und Tratsch über die Herrschaften am Nebentisch, und alle versuchen, die im Inneren nagende Einsamkeit für einen bunten Abend lang zu vergessen…