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19. Januar 2026

100.000 besondere Kostüme liegen hier für den Fasching bereit

Im Fundus des Klagenfurter Stadttheaters lagern auf 5000 Quadratmetern rund 100.000 Kostüme, die alle schon einmal auf der Bühne getragen wurden. Emmanuela Cossar (links) und ihre zwei Mitarbeiterinnen, Dora Nowak und Melanie Bicek, kennen jedes einzelne Stück im Fundus des Kostümverleihs. (von Petra Eggerer / Kleine Zeitung, Foto: Stadttheater Klagenfurt/Helge Bauer)

Einmal wie Kaiser Franz Joseph I. winken, wie Schneewittchen die sieben Zwerge um sich haben, in Schlaghosen mit Glitzerbesatz auf den Spuren von ABBA wandeln. Im Kostümverleih des Klagenfurter Stadttheaters im Norden der Landeshauptstadt werden diese Wünsche wahr. Und wenn es nur für einen Abend ist.

Wer keine konkreten Vorstellungen hat, hat die Qual der Wahl. Denn auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern, verteilt auf drei Stockwerken, findet man rund 100.000 Kostüme, Schuhe, Kopfbedeckungen – vom Ritterhelm bis zum federgeschmückten Damenhut – Handtaschen, Unterkleider, Stöcke, Perücken und vieles mehr. Bis also das passende Outfit gefunden ist, kann es dauern.

Aktuell ist Hochsaison, vor allem Faschingskostüme sind der Jahreszeit entsprechend gefragt. Im Entrée, wo es auch zwei Umkleidekabinen gibt, fallen einem gleich die ersten Kuriositäten ins Auge: eine Wurst, eine Käsnudel und ein Reindling. Die Kostüme stammen aus dem Theaterstück QUEERinthia, einem Auftragswerk, das sich sich den unerzählten queeren Geschichten Kärntens widmet. Auf dem Weg weiter in die Halle kommt man an einer Krawattenparade vorbei – hunderte Krawatten hängen nach Farben, Mustern und Längen sortiert, in Reih und Glied.

Im Herzstück des Kostümverleihs gibt es auf rund 2000 Laufmeter Stangen – eingeteilt in eine Männer- und Damenseite, eine kleine, überschaubare Kinderabteilung sowie einen Bereich für Übergrößen – von Papstgewändern über Travestie-Kostüme bis hin zu mittelalterlichen Kleidern so ziemlich alles, was Faschingsgilden, Laientheatergruppen oder Privatpersonen brauchen können. So reihen sich Marine-Uniformen an Militär-Gewänder, blutgetränkte Nachtgewänder an Tüllröckchen, Renaissance-Fräcke an Stresemannhosen, Königsmäntel an Federröcke oder Stubenmädchen-Kleider an die edlen Gewänder des Burgfräuleins. Sogar Originalteile aus der Jahrhundertwende gibt es, wie auch edle Abendroben oder Phantasiekostüme. Ein Glitzerbody fällt auf, auch sein Gewicht – hunderten von Glassteinen sei Dank.

Keine Mickey Mouse und kein Donald Duck

Nichts ist von der Stange. »Alle Kleidungsstücke sind handgenäht und neu angefertigt. Die Stoffe sind hochwertig«, erklärt Emmanuela Cossar. Die gebürtige Italienerin ist gelernte Kostümbildnerin und arbeitet seit acht Jahren am Stadttheater, anfangs als Assistentin in der Ausstattung, seit fünf Jahren leitet sie den Fundus in Tessendorf. Nur Einzelstücke stammen aus Spenden, wie beispielsweise Kleider einer Tanzgruppe aus der Ukraine. In Boxen und Regalen ist das Kleinzeug fein säuberlich verstaut: Zipfelmützen, Masken, Schildkappen, Hüte und Gamaschen. Nur Kostüme aus der Welt von Walt Disney sucht man vergebens.

Vor 14 Jahren fanden die Kostüme des Klagenfurter Stadttheaters ihre neue Heimat. Aus dem alten verwinkelten und nicht mehr zeitgemäßen Fundus in der Franz-Palla-Gasse zogen tausende Kleider, Uniformen, Masken, Schuhe und andere Requisiten in das moderne Zuhause in der Berthold-Schwarz-Straße. Mit jeder Produktion, die im Stadttheater läuft, wird der Fundus größer. Denn nach dem letzten Applaus wandern die Kostüme in das große Lager am Stadtrand. Ordnung wird deshalb großgeschrieben. Denn schließlich muss jedes Teil, das gefragt ist, in Windeseile griffbereit sein. »Alle Stücke sind nach Zeitepochen sortiert, nummeriert und können sogar dem jeweiligen Theaterstück zugeordnet werden«, führt Cossar weiter aus. Einmal im Jahr wird aussortiert. Jeweils im September findet das große Theaterfest Hereinspaziert statt. Bei einem Flohmarkt werden Teile aus dem Fundus zum Kauf angeboten.

Der Kostümverleih ist nicht nur im Fasching gefragt. Auch für Motto-Partys, wie beispielsweise Krimi-Dinner, oder Hochzeiten, die unter einem Motto stehen, kommen die Menschen in den Kostümverleih. Junge Damen fragen auch schon mal wegen eines Kleides für die Polonaise nach. »Viele Theatergruppen, Theaterschulen und Akademien, wie auch Filmproduktionsfirmen zählen zu unseren Kunden«, weiß Cossar zu berichten. So wurde etwa Max Müller mit Kostümen aus dem Fundus als »Sagenjäger« eingekleidet. Auch für die Servus-TV-Sendung Fahndung Österreich werden regelmäßig Kostüme und Requisiten angefragt.

Kostümfundus des Stadttheaters Klagenfurt
Berthold-Schwarz-Straße 116-122
Tessendorf
9020 Klagenfurt a. W.

Öffnungszeiten Mo-Fr, 08.00-13.00 Uhr
Telefon +43 (0) 463 511033
fundus@stadttheater-klagenfurt.at