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25. März 2026

»Ein zarter Blick auf die Menschen«

Autor und Regisseur David Bösch über sein Schauspiel Wiedersehen. Ein Stück Hoffnung, das am 09. April 2026 am Stadttheater Klagenfurt (in Koproduktion mit dem Landestheater Linz) uraufgeführt wird.
(Foto: Philipp Brunnader)

Wiedersehen. Ein Stück Hoffnung ist dein erstes Theaterstück. Der Text beschäftigt sich mit sehr menschlichen, existenziellen Themen. Es geht – im wahrsten Sinn des Wortes – um Leben und Tod, auch um Abschied und Loslassen… was hat dich zu diesem berührenden Text inspiriert?

Inspiration ist ein Begriff, der immer schwer zu fassen ist. Ist es der Geruch der Straße am Morgen, ein aufgeschnapptes Gespräch, ein Zeitungsartikel, ein Lied. Im besten Falle alles zusammen und natürlich etwas von einem selbst. Dem Inneren,
dem man versucht schreibend auf die Spur zu kommen.

Wie agieren die Protagonisten in deinem Stück und welche Themen beschäftigt sie?

 Es geht um ein Paar, dass sich schon lange getrennt hat und an dem Krankenbett ihres Sohnes wieder zusammen finden muß. Beide haben eigene Leben und agieren eigentlich nicht mehr miteinander und plötzlich sind sie dazu gezwungen. Da reißt dann einiges auf.  An Vergangenheit, Gegenwart, Liebe und Hass. Hoffnung, Trost, Verzweiflung, Ende und Anfang.

Schauplatz ist das reale, oft banale Leben auf der Intensivstation, aber auch eine märchenhafte, jenseitige Parallelwelt. Wie erzählst du diesen Weltenwandel?

Das ist noch ein wohlgehütetes Geheimnis! Aber es beschäftigt mich die Frage, was für Eindrücke, Gedanken, Gefühle in jemandem, der im Koma, in einem Zwischenreich liegt, vorgehen. Kann er fl iegen? Was erlebt er? Das ist sicher nicht wissenschaftlich, aber hoff entlich poetisch, humorvoll, tröstend. Ich denke es wird eine Mischung aus zartem Video, Musik und Dialogen ganz ohne Bilder. Also Alles, aber zart.

Der Tod eines Kindes und die Trauer der Eltern sind Tabuthemen, denen du dich auf zärtliche Art und Weise, aber auch mit Humor annäherst. Deine Botschaft?
Das Wort Zärtlichkeit gefällt mir gut. Ein zarter Blick auf die Menschen sollte meiner Ansicht nach Aufgabe der Kunst sein. Empathie erzeugen. Herzensbildung nannte man das in vergangenen Jahrhunderten. Ich glaube das tut auch heute ganz gut. Der Humor hat zwei Ebenen. Auf der einen Seite entwickelt sich je bei den Figuren eine Art (Galgen-)Humor der es vielleicht nicht weniger schwer, nicht weniger lebbar, aber zumindest aushaltbar und »überlebbar« macht. Das ist sicher eine Art Tabu, zumindest ein schmaler Grat bei der Schwere der Thematik. Humor liegt natürlich auch in der Erinnerung der Eltern – an den, der Jonah war (oder noch ist!): Ein ziemlich witziger Junge mit einer Vorliebe für Snickers und Dackel. Die Phantasie von Jonah ist voll von sanftem Humor. Er triff t auf eine Füchsin, ihm wachsen Kiemen und die »Kammer des Schreckens« gibt es auch in seiner schlafenden Kinderwelt. Das ist ganz sicher nicht wissenschaftlich, aber es ist ein Trost – zumindest daran zu glauben. Es zu versuchen. Da bin ich mir sicher.