Madama Butterfly
Oper in drei Akten von Giacomo Puccini / Libretto von Luigi Illica und Giuseppe Giacosa nach David Belasco und John Luther Long / In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Sie studierten an der Guildhall School of Music and Drama in London und arbeiteten zunächst als Theater- und Filmschauspieler – wie kamen Sie zur Opern-Regie?
Ich wollte eigentlich schon als Kind Regisseur sein. Wenn ich Musik hörte oder ein Buch las, stellte ich mir immer vor, wie ich es bebildern würde. Nach Schulabschluss war es klar für mich, dass ich ins Theater wollte - das Offensichtlichste schien mir, Schauspieler zu werden. Während meiner Schauspielkarriere fragte ich dann einen befreundeten Regisseur, ob ich ihm assistieren dürfte. Die Produktion, die er mir anbot, war Carmen. Ich entdeckte das wunderbare Zusammenspiel von Musik und Wort im Drama… Ich kam also eher durch Zufall in diesen Beruf.
Als Madama Butterfly 1904 uraufgeführt wurde, erfreuten sich exotische Sujets großer Beliebtheit. Was fasziniert uns heute an dieser Oper?
Ich glaube das Interesse am Exotischen ist heute eher ein Problem. Man kann sich z.B. in Carmen, Madama Butterfly, Aida, den Perlenfischern oder Lakmé ziemlich eingeengt fühlen, wenn der Exotismus sehr oberflächlich ist und wenig über die eigentliche Kultur des Landes aussagt. Deshalb suche ich als Regisseur lieber einen psychologischen und/oder einen politischen Inhalt und bediene den Exotismus als Hilfsmittel. Im Falle von Madama Buttefly z.B., um das Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Kulturen zu verdeutlichen.
Was ist das Besondere an Ihrer Inszenierung in Klagenfurt?
Jede Inszenierung ist für sich etwas Besonderes. Bei uns jedoch scheint auf den ersten Blick alles so zu sein, wie es in der Geschichte sein soll: Butterfly ist Japanerin und Pinkerton ein amerikanischer Marine-Offizier. Der Kontext aber versucht dem veristischen Inhalt des Stückes einen symbolischen hinzuzufügen: Eine Bühne in der Bühne, die den Traum, die Illusion, Butterflys Liebesvorstellung, einem realen amerikanischen Zuschauerraum gegenüberstellt…
Szenenfotos (c) Arnold PöschlPodcast Einführung
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Pressestimmen
Ihre feinen Piani sind betörend, ihre dramatische Durchschlagskraft ist enorm, ihr Sopran nuancenreich und reich an Farben: Liana Aleksanyan ist eine großartige und ungemein berührende Titelheldin. Bei Giacomo Puccinis „Madama Butterfly“ am Stadttheater Klagenfurt vermag die armenische Sängerin die gesamte Gefühlspalette der unglücklichen Geisha Cio-Cio-San, ihre Naivität, Freude und Verzweiflung berührend zu vermitteln. Besonders ihre große Arie „Un bel di vedremo“ (Eines Tages sehen wir …) im zweiten Akt wurde zum Ereignis. […] Merunas Vitulskis sang hier am Haus bereits den Macduff (Verdi, „Macbeth“). Diesmal erlebt man ihn als leichtfertig mit Gefühlen spielenden Marineoffizier Pinkerton in der Tiefe etwas vibratoreich, in der Mittellage und Höhe mit strahlendem und höhensicheren Tenor. […] Makellos singt der Chor des Stadttheaters (Einstudierung: Günter Wallner). Große Gefühle und Leidenschaften, ohne je Gefahr zu laufen, ins allzu Süßliche abzugleiten, verströmt das KSO unter Alexander Soddy. Die Musiker spielen den schillernden Strom der herrlichen Puccini-Melodien süffig und beeindrucken mit feinem Sound. […] Wagner zeigt die anrührende Oper als Theater im Theater. Vor einer Traumbühne, einem Theater im Kabuki-Stil mit verschiebbaren Elementen und fernöstlicher Ornamentik (Bühne: Rifail Ajdarpasic) sitzen die Zuschauer auf Theatersesseln, meist als Touristen westlich gewandet (Kostüme: Sonja Albartus) – die Freundinnen von Cio-Cio-San sind grell im Manga-Style aufgemotzt – in einem realen amerikanischen Zuschauerraum und beobachten die anrührende Geschichte aus Fernost. […]
Auch eine nach Bombendrohung abgebrochene Premiere konnte das hervorragende Team der „Butterfly“-Inszenierung am Klagenfurter Stadttheater nicht aus der Ruhe bringen. „Jetzt erst recht“ schien das Motto am Samstag bei der zweiten Vorstellung zu sein,die zum Triumph geriet.
Orchester und Ensemble in Carlos Wagners wunderbarer Inszenierung wuchsen über sich hinaus. Und dass Liana Aleksanyan mit ihrer schillernden, facettenreichen Sopranstimme die Herzen zum Schmelzen und Puccini zum Leuchten bringt, hatte sich schon bei der Premiere am Donnerstag gezeigt. Beeindruckend jedoch, wie „Pinkerton“ Merunas Vitulskis sich zu großer Tenor- und Darstellungsleistung als zwischen Mitleid und Egoismus hilflos Zerrissener steigerte. Und wie Gianfranco Montresor sogar Konsul Sharpless ein Gewissen abringen konnte. Auch „Suzuki“ Anna Pennisi gestaltete ihre Rolle als devote, zugleich weitsichtige und mitfühlende Dienerin mit Präsenz und Präzision, genauso wie „Goro“ Marlin Miller. Hinreißend Cio-Cio-Sans Sohn, als Mini-Manga-Figur, treffend die Kurzauftritte der pubertären Manga-Mädchen und von „Yamadori“ Woohyun Park. Insgesamt lieferte das ganze Ensemble mit dem Kärntner Sinfonieorchester unter Alexander Soddy, mit Chor, Extrachor und der Singschule Carinthia alte und heutige Japan-Bilder, Traum und Tränen in sensibler, kompakter Ästhetik, präzise wie ein Uhrwerk. Das Publikum reagierte mit minutenlangen, verdienten Standig Ovations im nahezu ausverkauften Haus.
Szenisch und musikalisch herausragend! […] man kann dem Stadttheater Klagenfurt und allen Ausführenden nur gratulieren und allen an zeitgemäßem Musiktheater Interessierten nur dringend raten: hinfahren und sich diese sehens- und hörenswerte Produktion anschauen! Im Mittelpunkt des Abends stand die alles überragende armenische Sopranistin Liana Aleksanyan. […] Und so gibt es in dieser Regiearbeit viele liebevolle Details, die sich nie in den Vordergrund drängen. Der Regisseur hat Elemente des traditionellen Kabuki-Theaters sehr geschickt eingebaut und dadurch die musikalischen Ruhepunkte zur Geltung kommen lassen. […] Ausgezeichnet war das Dirigat des jungen Briten Alexander Soddy – Opernchef des Hauses und demnächst GMD in Mannheim. Schon mit den ersten Takten des Vorspiels […] war die Aufmerksamkeit des Publikums mit einem kräftigen Akzent geweckt. Soddy verstand es, mit dem sehr gut disponierten Orchester den Spannungsbogen über den ganzen Abend zu spannen, ohne dabei die gerade in diesem Werk so wichtigen Ruhepunkte zu vernachlässigen. […] Das Publikum im wohl ausverkauften Haus dankte den Ausführenden mit standing ovations – es war ein großer Abend des Stadttheaters Klagenfurt. Nochmals sei wiederholt, was ich zu Beginn schrieb: Hinfahren und sich diese sehens- und hörenswerte Produktion anschauen – und das gilt nicht nur für Puccini-Fans, sondern für alle, die zeitgemäßes, ein Werk nicht veränderndes, aber erfrischend neu erweckendes Musiktheater erleben wollen!