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2. Mai 2023

Österreichische Geschichte und viel Herzlichkeit

2011 erstmals an seinem Originalschauplatz Salzburg zu erleben, gastiert The Sound of Music ab 11. Mai 2023 am Stadttheater Klagenfurt! Das Musical überzeugt nicht nur mit historischer Authentizität sondern punktet auch mit jeder Menge Herzlichkeit: Neben professionellen Darsteller*innen steht auch ein Kinder-Ensemble, bestehend aus 14 jungen Talenten aus Klagenfurt, auf der Bühne. Regisseur Andreas Gergen im Interview über den Musical-Welterfolg und seine Probenarbeit mit der Klagenfurter »Trapp-Familie«.

Was erwartet das Klagenfurter Publikum mit The Sound of Music?
Das Musical ist ein Meisterwerk aus der Feder von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II. Die beiden haben in den 50er-Jahren das Genre des »Musical Play« erfunden, d.h. das »Schauspiel mit Musik«. Dabei haben alle Elemente des Genre Musicals (Schauspiel, Gesang und Tanz) eine fein abgestimmte Funktion innerhalb der Dramaturgie. Das war zu der damaligen Zeit nicht selbstverständlich, da Songs und Tänze oft revue- und »einlagenhaft« in eine Geschichte eingestreut wurden. Bei The Sound of Music, der letzten Zusammenarbeit von Rodgers und Hammerstein, haben Autor und Komponist diese Technik perfektioniert. Es handelt sich dabei um eine spannende und emotionale Geschichte sowie fantastische Musik – ein Meisterwerk! Rodgers und Hammerstein haben sich die dramatische Geschichte der »Trapp-Familie« vorgenommen, die im Jahre des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich 1938 vor den Nazis fliehen mussten. Vorlage waren die autobiografischen Aufzeichnungen der Maria von Trapp. Es handelt sich also um eine authentische Geschichte und sie ist somit ein Zeitdokument und ein Stück österreichischer Geschichte. Nachdem das Musical seit den 50er-Jahren weltweite Erfolge feierte und mittlerweile regelrechten Kultstatus erreicht hat, kam es 2011 endlich ans Salzburger Landestheater und in die Stadt, in der die Geschichte der singenden Trapp-Familie angesiedelt ist. Deshalb stand die Produktion unter dem Motto »Ein Musical kommt nach Hause« und wie wir heute wissen, wurde sie von den Salzburger*innen mit offenen Armen empfangen.

Regisseur Andreas Gergen (c) Andrea Peller

Von den USA bis Japan kennt man die Geschichte der singenden Trapp-Familie. Was macht sie so erfolgreich?
The Sound of Music enthält alles, was man von einem großen Theaterabend erwarten kann: Eine emotionale und spannende Geschichte, die sich gerade im zweiten Teil zu einem regelrechten Politik-Thriller entwickelt. Und die Musik ist großartig! Sie entfaltet neben österreichischen Anklängen einen filmischen Klangteppich. Einige der Songs sind mittlerweile zu Welt-Hits und Evergreens geworden, wie z.B. My Favorite Things, Do Re Mi oder Edelweiß. – Ein wesentlicher Grund für den großen Erfolg des Musicals sind natürlich auch die sieben singenden Kinder der Trapp-Familie – eine Herausforderung für jedes Theater! Das Kinder-Ensemble bringt eine Herzlichkeit und Authentizität in die Geschichte, wie es in keinem anderen Musical zu finden ist.

Im Zentrum steht die romantische Liebesgeschichte zwischen der Novizin Maria und dem Baron Georg von Trapp. Welche weiteren Schwerpunkte setzt du gemeinsam mit Co-Regisseur Christian Struppek in der Inszenierung?
Mehr als in anderen Inszenierungen, die von The Sound of Music weltweit zu sehen waren, ist uns die Authentizität der Geschichte von großer Wichtigkeit. Dabei haben wir neben der Liebes- und Familiengeschichte einen ebenso großen Schwerpunkt auf den politischen Hintergrund gelegt. Die politische Ebene ist bereits im Stück vorhanden, wurde von uns »am Ort des Geschehens« (Salzburg) umso sensibler und historisch fundierter aufgearbeitet. Wenn man eine »echte« österreichische Geschichte erzählt, muss man historisch korrekt bleiben und zwischen Fakten und Theater-Fiktion genau ausbalancieren. Das hat auch die amerikanischen Rechtegeber, die uns zur Premiere besuchten, stark beeindruckt. Sogar die New York Times hat über unsere Produktion berichtet.

14 junge Talente stehen abwechselnd als Geschwister Trapp auf der Bühne. Wie entstand das Ensemble?
Bereits vor einem halben Jahr gab es ein großes Auswahlverfahren für die Trapp-Kinder. Dafür haben wir uns viele junge Talente aus Klagenfurt angesehen. Und davon gibt es – wie wir heute wissen – jede Menge! Die Kinder müssen im Alter von fünf bis 16 Jahren sein. Sie müssen singen, tanzen und schauspielern können. Jedes der einzelnen Trapp-Kinder hat einen eigenen Charakter und den gilt es, auf der Bühne glaubwürdig darzustellen. Außerdem muss es mehrere Besetzungen für den Krankheitsfall geben. Das ist natürlich eine große Herausforderung für das Theater. Wir haben in Klagenfurt mittlerweile zwei Trapp-Familien gegründet, die sich in den Vorstellungen abwechseln werden. Die Proben verlaufen spielerisch und mit viel Spaß. Aber das ist kein allzu großer Unterschied zu den Proben mit den »erwachsenen« Darsteller*innen…

Premiere ist am 11. Mai 2023 – wie sind die Proben bisher verlaufen und was ist noch geplant?
Es gab bereits einige musikalische und choreografische Proben als Vorbereitung zur Hauptprobenphase, in der dann alle Darsteller*innen zusammenkommen und wir von Szene zu Szene arbeiten. Das kann mehrere Wochen dauern, bis alles passt und alle Elemente aufeinander abgestimmt sind. Als Regisseur mache ich keinen Unterschied zwischen Kinderdarsteller*in oder Profi. Das ist die Erfahrung von meinen Proben zur Salzburger Produktion: Die Kinder profitieren von der Professionalität der Schauspieler*innen und umgekehrt lernen die Schauspieler*innen von der Authentizität der Kinder. Nach der Probenphase auf der Probebühne geht es dann Ende April auf die Hauptbühne und hier kommen alle weiteren Bereiche wie Bühnenbild, Kostüme, Licht und Orchester dazu.

The Sound of Music
Musical von Oscar Hammerstein II und Richard Rodgers
Kooperation mit dem Salzburger Landestheater
ab 11. Mai 2023
Stadttheater Klagenfurt

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